Julia Lippitsch – Zeitgenössische Künstlerin aus Tirol

Meine künstlerische Arbeit entsteht aus dem Wunsch, innere Welten sichtbar zu machen – jene Welten, die aus den Schichten unseres Lebens erwachsen: aus unseren Wurzeln, aus Erfahrungen und Beziehungen, aus der Natur, die uns trägt, und aus den feinen Verbindungen zwischen Mensch und Umgebung.

Meine Herkunft aus Tirol und das Aufwachsen inmitten der alpinen Landschaft haben meinen Blick auf Raum, Weite, Struktur und Verwurzelung wesentlich geprägt. Diese Verbindung ist bis heute ein wichtiger Ausgangspunkt meiner Arbeit. Dabei geht es mir weniger um die Abbildung von Landschaft als vielmehr um das, was sie in uns hinterlässt: Spuren, Erinnerungen, Kraft und Zugehörigkeit.

Zwischen Präzision und Intuition

In meiner Arbeit begegnen sich zwei zunächst gegensätzliche Ausdrucksformen.

In meinen Zeichnungen mit Kohle und Graphit suche ich die Präzision. Figuren, Tiere und Strukturen entstehen in einem langsamen, konzentrierten Prozess aus unzähligen Linien, Verdichtungen, Licht und Schatten.

In der abstrakten Malerei arbeite ich wesentlich intuitiver. Großflächige Farbaufträge, transparente und opake Schichten, Überlagerungen und Spuren bilden den Ausgangspunkt. Darüber und dazwischen erscheinen immer wieder feine, zeichnerische Linien. Sie strukturieren, verbinden, setzen Schwerpunkte – und schlagen gleichzeitig eine Brücke zu meiner zeichnerischen Arbeit.

So entstehen Werke zwischen Kontrolle und Loslassen, Klarheit und Vielschichtigkeit, Kraft und Fragilität.

Meine Arbeiten sind Momentaufnahmen unsichtbarer Kräfte. Sie halten Spannungen, Verflechtungen und Berührungen fest, die unsere Haltung, Präsenz und innere Stärke formen. Sie laden dazu ein, in diese Geflechte einzutauchen, die eigene Verwurzelung wahrzunehmen und jene subtilen Verbindungen zu entdecken, die uns mit unserer Umgebung und miteinander verbinden.

Es entsteht ein Dialog zwischen Innen und Außen – zwischen dem, was wir sind, und dem, was uns trägt.

Verwurzelt. Vielschichtig. Verbunden.


Mein Weg zur Kunst

Mein Weg in die Kunst verlief nicht geradlinig – und gerade darin liegt für mich heute ein wesentlicher Teil meiner künstlerischen Identität.

Zunächst studierte ich Unternehmensführung in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft am Management Center Innsbruck (MCI). Nach meinem Studium war ich als Projektleiterin bei der Congress und Messe Innsbruck GmbH tätig. Dort arbeitete ich an der Schnittstelle von Organisation, Kommunikation und Gestaltung.

Mein wachsendes Interesse an visueller Kommunikation und Gestaltung führte mich anschließend an die FH Dornbirn, wo ich mein Masterstudium Intermedia mit Schwerpunkt Corporate Design absolvierte. Ergänzend beschäftigte ich mich im Rahmen eines Fernstudiums mit Innenarchitektur.

Noch während beziehungsweise rund um den Abschluss meines Masterstudiums begann für mich der Schritt in die Selbstständigkeit. 2011 gründete ich meine eigene Werbeagentur, die ich bis heute führe. Über viele Jahre waren Grafik, Corporate Design, Markenentwicklung und visuelle Kommunikation mein beruflicher Schwerpunkt.

Doch parallel dazu wurde die freie künstlerische Arbeit zunehmend wichtiger.

Von der Gestaltung zur freien Kunst

Ab 2021 begann ich, meine Tätigkeit als freischaffende Künstlerin konsequent aufzubauen. Was zunächst neben meiner Arbeit als Grafikerin entstand, entwickelte sich zunehmend zu meinem eigentlichen künstlerischen Arbeitsfeld.

Der Schritt von der angewandten Gestaltung zur freien Kunst bedeutete für mich vor allem eines: nicht mehr für eine vorgegebene Botschaft gestalten zu müssen, sondern den eigenen Fragen, Empfindungen und Themen Raum geben zu können.

Heute liegt mein Schwerpunkt auf großformatiger abstrakter Malerei sowie Kohle- und Graphitzeichnung. Daneben entstehen individuelle Auftragsarbeiten, in denen persönliche Geschichten, Erinnerungen, Herkunft und Verbundenheit in eigenständige Werke übersetzt werden.

Meine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen in Österreich präsentiert und befinden sich in privaten Sammlungen. Darüber hinaus bin ich als Dozentin bei boesner in Wien und Graz tätig.

Seit 2023 leite ich den Künstlerverein Gruppe84 und engagiere mich damit auch für Austausch, Vernetzung und Sichtbarkeit zeitgenössischer Kunst. Ab 2028 übernehme ich die Leitung der Artdidakta Internationalen Sommerkunstakademie.

Kunst bedeutet für mich heute nicht die Abkehr von meinem bisherigen Weg. Vielmehr fließen all diese Erfahrungen zusammen: Gestaltung, Raum, Kommunikation, Unternehmertum, Beobachtung und Intuition.

Vielleicht ist genau daraus meine eigene künstlerische Sprache entstanden – zwischen Präzision und Intuition.


Ausgewählte Ausstellungen

2026 · Hof.Art – Innsbrucker Hofburg, Innsbruck
2026 · Begegnungen und Dialoge – Stift Wilten, Innsbruck
2025 · Kraftquellen – Galerie am Claudiaplatz, Innsbruck
2024 · FEHU – Congress Innsbruck, Innsbruck
2023 · Österreichische Krebshilfe Tirol – Ferdinandeum, Innsbruck
2022 · Kunst im wisswak – Tschagguns
2022 · KUMM Together – Gargellen
2021 · Am Berg – Biohotel Grafenast, Pillberg
2021 · OPEN EXHIBITION – Galerie upTown Art, Graz